Kinderwunsch, keine Lust mehr auf hormonelle Verhütung oder sogar unangenehme Nebenwirkungen: die Entscheidung, die Pille abzusetzen, kann die verschiedensten Gründe haben. Ein Thema, über das viel zu wenig in der Öffentlichkeit gesprochen wird – daher starte ich heute mit meinem Erfahrungsbericht über die so genannte Post-pill-Amenorrhö und wie man damit umgeht.

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Mir geht es gut. Ziemlich gut sogar. Doch was lange Zeit fehlte: Meine Periode. Damit gehöre ich zu den zwei Prozent aller Frauen, die nach dem Absetzen von Pille (oder eine anderen Verhütungsmethode, wie in meinem Fall dem Implanon-Stäbchen) über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten keine normale Regelblutung bekommen. Die Diagnose: Post-pill-Amenorrhö, auch sekundäre Amenorrhö.

Lange Zeit habe ich das Ausbleiben meiner Periode so gut wie möglich ignoriert. Doch stimmt etwas nicht „untenrum“, fragt man sich irgendwann: Bin ich normal?! Erst nachdem ich angefangen habe erneut über das Thema Kinderkriegen nachzudenen, konnte ich es logischerweise nicht mehr leugnen. Zu lange oder zu kurze Zyklen, zu starke Blutungen, Regelschmerzen, PMS, Migräne … genauso vielfältig wie wir Frauen, sind auch unsere Zyklen und Zyklusbeschwerden.

Ich habe gemerkt, wie viel Mut und Kraft es macht, wenn man sich gegenseitig unterstützt und seine Erfahrungen teilt. Tabuthema Periode? Höchste Zeit, das zu ändern! Aus dieser Motivation heraus schreibe ich über Frauengesundheit, (Hormon-) Balance und Weiblichkeit.
 

Post Pill Amenorrhö – was ist das?

Der Begriff Amenorrhoe kommt aus dem Griechischen und benennt das Ausbleiben der Periodenblutung im weiblichen Menstruationszyklus. Diese kann unterschiedliche Formen und Ursachen haben: Man unterscheidet dabei die primäre Amenorrhö, bei der die erste Regelblutung bei jungen Mädchen bis zum 16. Lebensjahr erst gar nicht einsetzt, und die sekundäre Amenorrhö, bei der die Menstruation über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten ausbleibt, nachdem man die Periode vorher bereits hatte. Von Post-pill-Amenorrhö ist also die Rede, wenn das Ausbleiben der Periode im Zusammenhang mit dem Absetzen von Pille oder anderen hormonellen Verhütungsmitteln auftritt. Normalerweise setzt nach Absetzen der Pille bei vielen Frauen nach ca. 4-6 Monaten die Periodenblutung wieder regulär ein. Rund 40 Prozent der Frauen erleben für kurze Zeit nach Absetzen der Pille Unregelmäßigkeiten. Die Pille muss jedoch nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit einer sekundären Amenorrhö stehen. Denn eine Amenorrhö ist keine Krankheit, sondern lediglich ein Symptom, ein Signal des Körpers, das anzeigt, dass der Hormonhaushalt gerade nicht in Balance ist. Das kann also auch andere Ursachen haben.
 

Die Pille – Über die Abhängigkeit von der Unabhängigkeit

Verständlicherweise, locken unterschiedliche hormonelle Verhütungsmittel mit unterschiedlichen: Einem sicheren Schutz vor Schwangerschaft, schönerer Haut, volleren Brüsten, Linderung bei Regelschmerzen, einer exakten Zykluskontrolle … Man schluckt ein Stück Unabhängigkeit! Junge Mädchen ein Stück Erwachsensein. Doch wie unabhängig ist man wirklich? Tauscht man nicht eine Abhängigkeit gegen eine andere ein?

In meinem Fall habe ich mir ein hormonelles Silikonstäbchen in den Oberarm einsetzen lassen – und das über gut 9 Jahre hinweg. Und wie viele andere Frauen auch, die ihr Kontrazeptivum vermeintlich gut vertragen, habe ich erst nach dem Absetzen gemerkt, unter welch hormoneller Taucherglocke ich all die Jahre gelebt habe. Eine verringerte Libido, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, … die ganzen Risiken für Thrombose, Embolien, Depressionen und Krebserkrankungen mal außer Acht gelassen.

Nach dem das letzte Hormonstäbchen abgelaufen war, habe ich es dabei belassen. Und ich kann das Absetzen von Pille& Co. nur empfehlen, auch ohne Kinderwunsch, denn es gib genügend wirklich gute und v.a. natürliche Alternativen.
 

Das Chaos der Hormone

Das Absetzen der Pille geht oft mit einem regelrechten Hormonchaos einher, das sich in Form von Hautunreinheiten und Akne, Haarausfall, Schmierblutungen, Gewichtsschwankungen oder Unterleibsschmerzen äußern kann. Besonders häufig sind Zyklusstörungen.

Der weibliche Zyklus dauert normalerweise 28 Tage, dabei sind Schwankungen von +/- 7 Tagen normal. Störungen im Zyklus äußern sich durch Zykluslängen von mehr als 35 Tagen, durch verkürzte Lutealphasen (darunter versteht man die zweite Zyklushälfte) mit weniger als 10 Tagen, ganz ausbleibende Zyklen (Post Pill Amenorrhö) oder als anovulatorische Zyklen, bei denen man zwar seine Periode, aber ohne dass vorher ein Eisprung stattgefunden hat. Letzteres ist nicht so einfach zu erkennen, denn die Menstruation findet ja normal statt. Ein einfacher Temperaturtest kann bei Verdacht Gewissheit schaffen. Dafür muss jeden Tag zur gleichen Zeit die Temperatur gemessen werden; findet keine Erhöhung der Körpertemperatur statt, kann dies ein Hinweis auf anovulatorische Zyklen sein, denn normalerweise erhöht sich beim Eisprung die Körpertemperatur um mindestens 0,2 Grad Celsius.

Mein Körper hat sich direkt für die gründliche Variante entschieden – dem kompletten Ausbleiben der Periode. Für mehr als 2 Jahre! Doch was sind die Ursachen dafür?
 

Post-pill-Amenorrhö: Ursachen

Die naheliegendste Erklärung für eine Post-pill-Amenorrhö ist eine Schwangerschaft. Dieser Möglichkeit sollte also zunächst nachgegangen werden. Ist eine Schwangerschaft ausgeschlossen, können verschiedene andere Faktoren für die Post Pill Amenorrhö verantwortlich sein – im häufigsten Fall eben das Absetzen der Hormone.

Die Hormone der Pille führen zu einer vorübergehenden Ruhigstellung der Eierstöcke. Nach Absetzen der Pille beginnt die körpereigene Hormonbildung wieder. Dieser „Neustart“ erfolgt im Allgemeinen in wenigen Wochen. Das kann in Einzelfällen auch einige Monate dauern, weil das Zusammenspiel der Hirnanhangsdrüse mit den Eierstöcken erstaunlich komplex ist. Bleibt die Periode über einen Zeitraum von mehr als neun Monaten aus, liegen oft weitere Gründe für eine Zyklusstörung vor.
 

Dauer der Post-pill-Amenorrhö

Erst einmal die gute Nachricht vorweg: Die verkürzten, verlängerten oder sehr unregelmäßigen Zyklen treten meist nur für eine kurze Zeit auf. Nur in sehr seltenen Fällen bleibt die Blutung über einige Monate aus. In den meisten Fällen pendelt sich der Hormonhaushalt wieder ein. Bei manchen Frauen geht das schneller, bei manchen benötigt der Körper etwas mehr Zeit zum Regenerieren. Durchschnittlich beträgt die Regenerationszeit des Körpers 9 Monate, tendenziell länger.

Nach der Amenorrhö folgt zumeist eine sog. Oligomenorrhö, also eine verlängerte Zyklusdauer mit mehr als 35 Tagen, bevor sich schließlich wieder ein normaler Zyklus einstellt.
 

Post-pill-Amenorrhö und Schwangerschaft

Theoretisch kann eine Frau nach dem Absetzen der Pille direkt schwanger werden. Doch die Realität sieht eben oft anders aus. Vor allem bei Frauen mit Kinderwunsch ist es bitter, wenn nach dem Absetzen der Pille erst einmal nichts passiert. Über die Möglichkeiten zur Therapie und wie ich im speziellen gegen die Post-pill-Amenorrhö vorgehe, erfahrt ihr in Teil 2 dieser Reihe!

Styled Shoot
Fotografie: Leah Bethmann (Seite noch im Aufbau)
Location: Hotel Indigo Düsseldorf-Victoriaplatz | Kaiserswerther Straße 20, 40477 Düsseldorf
Ausstattung: Lingerie-Set Toril von Hunkemöller

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsored. Meinung und Empfehlungen entstammen meiner persönlichen Überzeugung.
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Habt ihr Fragen zur Post-pill-Amenorrhö? Oder habt ihr das Ausbleiben der Periode nach Absetzen der Pille selber erlebt?