Derzeit sind die Stimmen um Blogger und Influencer, das Für und Wider und v.a. auch, in welcher Art und Weise Blogger bzw. Influencer verdienen behandelt zu werden, sehr laut. Daher geht es heute mit einem etwas ernsteren Thema weiter, dass mir aus gegebenem Anlass auch sehr am Herzen liegt.

Natürlich kann man einfach so vor sich hin bloggen, allerdings wird es viele Bereiche geben, in denen das nicht ausreicht, um ständig spannende Inhalte für die eigene Zielgruppe zu generieren. Die Zusammenarbeit mit PR-Agenturen und Pressvertretern können dabei sehr hilfreich sein. Sind sich beide Seiten der Grenzen bewusst, können sie von Kooperation profitieren.
 

Hochwertige Blogs ergänzen die Medienlandschaft

Im regen Austausch mit anderen Bloggern, fühle ich mich zumindest nicht mehr ganz so allein, wenn ich von ihnen höre, dass auch sie immer wieder diese typischen Emails bekommen, mit Anfragen komplette Beiträge von mindestens 500 Wörter zu verfassen, inklusive Fotomaterial, Linkplatzierung und am besten Vernetzung via sozialer Kanäle – selbstverständlich umsonst! „Du darfst dir dafür etwas in unseren Shop aussuchen“ oder „Gerne senden wir dir dafür Produkte zu“ sind die klassischen Nebensätze. Auch die liebe Caro hat hier kürzlich erst wieder einen Appell an die Blogosphäre gerichtet.


 
Blogger-Relations: So geht’s nicht, liebe Agenturen!

Ich muss zugeben, dass ich mich in der Vergangenheit auch immer wieder auf genau diese Angebote eingelassen habe. Doch dann kam schließlich der Bloggerworkshop bei Caro Anfang April und mit ihm die Erleuchtung, dass wir uns als Blogger und Influencer, so klein wir sein mögen, nur ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir keine angemessenen Forderungen stellen.
 

Wir müssen hier aber mal gründlich aufräumen. Dazu eine kleine Geschichte aus meinem eigenen Kooperationsrepertoir:

Firma X schreibt mir eine dieser Emails mit einem auf den ersten Blick ganz netten Auftrag, dass sie sich freuen würden, für ihre Seite einen Look aus ihrem Sortiment zusammengestellt und einen Gastbeitrag geschrieben bekommen. Im Anschluss sollte ich die Produkte erhalten und gerne in einem Beitrag auf liebewasist.com zeigen. Soweit so gut, ein Gastbeitrag ist immer eine schöne Sache und auch der Aufwand war nicht allzu dramatisch. Zumal ich auf keine Summe festgelegt war und mir einfach bestellen durfte worauf ich Lust hatte – ein Traum, nicht wahr?! Denkt man. Aber es kam natürlich anders …


 
Blogger nicht zu Feinden machen!

Nachdem ich Gastbeitrag, Postadresse und Konfektionsgröße bei der entsprechenden PR-Mitarbeiterin abgeliefert hatte, passierte nämlich erst mal gar nichts. Zwei Woche später bekam ich auf Nachfrage zumindest die Info, dass die Produktauswahl noch beim Shooting wäre und asap für den Versand verpackt werden würde.

Das Verpacken muss wohl sehr aufwendig gewesen sein, denn wieder zwei Wochen später erfuhr ich, dass das Paket nun fertig zum Versand wäre. Auch der Begriff „sofort“ scheint ein sehr dehnbarer Begriff zu sein, denn nochmal eine Woche später schrieb mir die PR-Mitarbeiterin, dass sie es nun eigenständig zur Post bringen würde. 10 Tage später war es schließlich da, einen Tag vor Abreise zur Fashion Week wohlgemerkt, während der das Outfit geshootet und online gestellt werden sollte.

Ich hoffe Du kannst mit den Sachen dennoch etwas anfangen …

Doch jetzt wird’s wirklich lustig, wie ihr in diesem Shooting-Ergebnis seht: ich erhielt allen Ernstes Schuhe in Größe 40, Kleidung in Größe M und 38! Bei solchen Situationen weiß man manchmal nicht mehr, ob man lachen oder verzweifelt weinen soll. Dennoch bin ich ja immer um die Aufklärung von Irrtümern bemüht. Der weitere Schriftwechsel war nicht mehr ganz so schön, die Details erspare ich euch.
Das mag eine ganz lustige Geschichte sein, zumindest lache ich im Nachhinein darüber und auch beim shooten hatten Sarah und ich viel Spaß!


 
Und die Moral von der Geschicht‘ …

Aber wie jede Geschichte hat auch diese eine Moral, aus der wir etwas lernen können. Ich möchte euch, die ihr auch Blogger seid, dazu sensibilisieren, nicht für irgendein Produkt XY eure Arbeitskraft zu verkaufen! Ich habe hier sicher eines der wirklich negativen Beispiele erlebt, aber wenn ihr es zugeben müsstest: Wie viele dieser Anfragen habt ihr bereits bekommen, bei dem ihr euch ein Produkt aussucht, für das ihr als billiges Werbeplakat gekauft werdet?! Das soll natürlich nicht heißen, dass man nie unbezahlte Kooperationen eingehen sollte – nicht für alles muss Geld fließen, wenn einem die Zusammenarbeit wirklich am Herzen liegt.

Solange wir aber als (Mircro-) Influencer immer wieder Ja und Amen auf diese Emails antworten, werden wir auch kaum für unsere Arbeit als Blogger und Autoren, die hochwertigen Content kreieren, Ernst genommen werden. Denn wenn wir es nicht umsonst machen, macht es der nächste Blogger im Mail-Verteiler, der eben doch Ja sagt. Was aber wenn wir alle unseren Wert kennen und diesen auch einfordern?!

Fotografie / photography: Sarah Pritzel

*Bei den verwendeten Produkten handelt es sich PR-Sampels, die mir freundlicherweise von Hallhuber zur Verfügung gestellt wurden.
 

Habt ihr ähnliche Erfahrungen bei Kooperationen gemacht? Was ist für euch die Motivation eine Kooperation einzugehen. Und wie reagiert ihr auf solche Anfragen?