Ich gebe zu, dass ich durch und durch perfektionistisch veranlagt bin, auch wenn ich manchmal in meinem Chaos zwischen Blog, Uni und Privatleben auf den ersten Blick nicht so wirke. Ich bin zwar nicht penlich auf Ordnung bedacht und beim Hausputz gänzlich talentfrei, doch kann ich unter all die anderen Punkte einen Haken machen, die zu einem „guten Perfektionisten“ gehören: es anderen recht machen, sich selbst überfordern und sehr viel Wert in jedes kleinen Detail legen.

Das war schon in meiner Jugend so – und ich befürchte meine Mutter hat mich dafür gehasst, zumindestens hatte sie es bestimmt nicht leicht mit mir. Seitdem sind natürlich so einige Jahre ins Land gegangen und man wird älter und begreift, dass eben nicht alles nach einem Masterplan funktioniert – denn wie heißt es auch so schön: „Es kommt erstens anders und zweitens als man denkt“?! Wie recht meine Mutter auch mit diesem Spruch wieder hatte, wurde mir spätestens bewusst, seit sich meine Vorstellung zu meiner Karriere mehr als einmal geändert hat – und nicht nur diese, sondern auch was ich tatsächlich daraus gemacht habe – aber das ist eine andere Story.
Doch trotz der Perfektionistin in mir, bin ich ja kein Idiot und versuche mich immer weiterzuentwickeln. Ich denke auch, dass mir das v.a. in den vergangenen Monaten und Jahren ganz gut gelungen ist. Deswegen möchte ich heute auch einige Facts mit euch teilen, die erklären, was Perfektionismus wirklich ist und auch ein bisschen Anregung geben, wie man dabei umdenken kann.
 

Es ist die Angst, die uns treibt

Ja, wir sind ambitioniert in der heutigen Zeit und spätestens seit G8 wird diese Eigenschaft quasi in der Schule gelehrt. Doch diese irrsinnig hohen Standards, die wir uns zumeist selbst auferlegen, haben meiner Meinung nichts mit Ambition zu tun. Es ist schlichtweg Angst, die uns dazu antreibt. Angst vor Zurückweisung, Angst vor Verurteilung, Kritik und Fehlern. Wir arbeiten kontinuierlich daran mehr zu tun, mehr zu erreichen und uns davor zu schützen, was andere über uns denken – da ist es kein Wunder, dass wir uns ständig selbst ausbrennen und trotzdem das Gefühl haben, nie genug getan zu haben.
 

Wir erreichen weniger, nicht mehr

Während es auf den ersten Blick so scheint, als wäre Perfektionismus eine Unterstützung bei der Erreichung von Zielen, bewirkt es am Ende tatsächlich das Gegenteil. Zum einen setzten wir unsere eigenen Ziele herab, weil wir befürchten uns selbst zu enttäuschen. Zum anderen brauchen Perfektionisten Ewigkeiten um wirklich anzufangen – aufmerksame Leser wissen, dass ich schon viele Jahre die Idee für liebewasist.com im Kopf hatte, ich war nur zu perfektionistisch um anzufangen – weil sie alles bedacht haben wollen, bevor sie wirklich zur Tat schreiten. Und wenn sie dann anfangen geben sie ihr Ziel beim ersten Anzeichen von Scheitern wieder auf.
Aber nach all den Versuchen hier am Blog und auch im Leben offline dort draußen kann ich euch inzwischen versichern, dass Nicht-Erfolg nicht dasselbe ist wie Loslassen von Perfektionismus.
 

Perfektionsmus = Prokrastination?!

Perfektionismus und Prokrastination sind ein Paar wie Zahnbürste und Zahnpasta. Weil wir unsere eigenen Standards so hoch ansetzen und dabei das Gefühl bekommen, dass wir sie kaum erreichen können, neigen wir leicht dazu, es nicht einmal zu probieren. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Perfektionisten schöne Schreibwaren so lieben, To-Do-Listen ohne Ende schreiben und Bullet Journals: wenn man schon prokrastiniert fühlt man sich dabei wenigstens produktiv! Und das ist wohl auch der Grund, warum wir bestimmte Aufgaben bis zur letzten Minute hinausschieben. Wenn die Deadline immer näher rückt, bleibt uns gar nicht anderes übrig als unsere Standards nach unten zu schrauben um endlich einen Haken an die Aufgabe zu machen.
 

Perfektionimus wirkt wie Faulheit

Wenn ich eine Sache ganz schnell gelernt habe, dann dass Perfektionismus sehr schnell nach Faulheit und fehlender Motivation aussieht. Das liegt aber einfach daran, dass Perfektionmus unsere Welt zu einem Mikrokosmus macht, in dem wir nur das tun, was wir gut können. Gesunde Gewohnheiten werden aufgegeben, sobald wir patzen; es fällt uns schwer uns festzulegen und wir verbringen zu viel Zeit mit Planung. Die gute Nachricht ist aber, dass wir in der Tat gar nicht faul sind, wir müssen nur lernen Dinge anzupacken, in denen wir nicht gut sind (zumindestens anfangs).
 

Es ist eine Einstellungssache

Perfektionismus ist eine Einstellung und wie jede Einstellung kann sie geändert werden! Ich möchte euch nicht verschweigen, dass ich noch immer wieder an den Punkt komme, an dem ich wieder in alte Muster verfallen – Prokrastination aka. übergenauer Planung. Die bekannte Angst, nie gut genug zu sein, auch wenn ich das Beste gebe, lähmt mich nahezu.
Doch als ich gemerkt habe, dass Perfektionismus das einzige ist, was mich davon anhält, die Dinge wirklich anzupacken, habe ich beschlossen einen Weg aus diesem festgefahrenen Gedanken an Perfektion zu finden. Ich arbeite immer noch daran, aber es eben noch kein Meister vom Himmerl gefallen.
 

Sind unter euch auch Perfektionisten? Wie geht ihr damit im Alltag um?