Bereits im vorletzten Weekender habe ich euch einen kleinen Spoiler zum Foodpairing-Event mit Nikka im Tafelspitz 1876 gegeben. Heute folgt nun also noch ein Bericht zum Abend bei Whiskey und gutem Essen und auch, was für eine überraschende Erfahrung ich dabei gemacht habe.

Alles begann mit einer Einladung zum Essen im Restaurant Tafelspitz 1876. „Nikka Whisky“ steht ganz zu oberst in der Email und das erste was mir dabei in den Sinn kam war tatsächlich das berühmt berüchtigte Nase rümpfen, dass wir von Gastgeber Mario Kappes an diesem Abend noch häufiger eindrücklich beschrieben bekommen sollten.
Frauen und Whiskey, das passt eben auf den ersten Blick einfach nicht zusammen. Gemeinsam mit meiner lieben Sarah von Damn Charming, deren wundervolle fotografische Arbeit ihr zuletzt auf liebewasist.com zu sehen bekommt, nahm ich mich dieser Herausforderung dennoch an. Und am Ende sollten wir eines Besseren belehrt werden.


 
Schottische Tradition trifft Moderne auf Perfektionsniveau

Das Label Nikka ist mit seiner nur 100-jährigen Tradition beinahe als jugendlich zu bezeichnen. Sein Schöpfer, Masataka Taketsuru – ein unausprechlicher Name, den wiederum Mario Kappes an diesem Abend mehrfach fehlerfrei über die Lippen brachte, und das auch noch nach dem letzten Gang – vereinte in seinem Whiskey die Tradition der klassichen schottischen Whiskey-Herstellung mit Stil, Moderne und dem Ausdruck an japanischem Perfektionismus. Und genau das scheint diesem Tropfen auch seine Einzigartigkeit zu geben.

Zunächst gab es, wie es sich für so ein Food lastiges Event gehört, einen Begrüßungscocktail. Nicht aber etwa Champagner oder irgendeinen fancy Drink mit Schirmchen und Strohhalm. Es gab natürlich Whiskey! Mizuwari, der „mit Wasser geschnittene“. Seviert in einem Longdrinkglas auf Eis und ein wenig leichter als der „harte“ Whiskey, weil er gekühlt und mit Wasser verlängert getrunken wurde. Das war schon mal ein guter Anfang, denn dieser Drink war für meinen Gaumen angenehm mild und hatte gar nichts mit der Schärfe zu tun, die ich vom üblichen Whiskey erwartete.


 
Japanische Kirschblüten und salziges Karamell

Nach dem ersten Apperitiv und Amuse-Gueule ging es zu Tisch. An dieser Stelle sei nicht nur das Können von Sternekoch Daniel Ben-Dal an sich zu loben, sondern auch, dass er sich sogar die Mühe machte, für mich ein eigenes vegetarisches Menü zu kreieren, dass jeweils an die Gänge der anderen omnivoren Mitesser gelehnt war und ebenso an den Whiskey.
Zu jedem Gang wurde ein anderer, genau darauf abgestimmter Tropfen serviert – was im Wesentlichen auch die Essenz des Foodpairings ausmacht. Die ersten drei Gänge waren vor allem von den milderen Sorten begleitet.

Dass Whiskey überhaupt anders als „whiskey“ schmecken konnte, war für mich wirklich ein Erlebnis. Ich kannte Whiskey nur aus ersten Erfahrungen mit Alkohol, als mein Vater mich kosten ließ, wenn der letzte Tropfen sich am Boden des leeren Glases sammelte – mit „Nase rümpfen“!
Vom etwas torfigen Nikka Yoichi Single Malt zu Aubergine in Kaffee und Passionsfrucht arbeiteten wir uns auf den folgenden und deutlich weicheren Miyagikyo Single Malt zur Zucchini-Variation vor und kamen schließlich zu meinem persönlichen Favoriten des Abends, dem Nikka Coffey Malt, der ein wenig an zarte Kirschblüten und salziges Karamell erinnerte – jeder schmeckte eine andere feine Note in den einzelnen Sorten.


 
Zum Abschluss eine Gechmacksexplosion

Mit Gang vier und fünf wurde es schließlich Ernst was die Whiskey-Verköstigung anging. Jetzt wurden scharfe Geschütze aufgefahren, bzw. ein paar mehr Prozente. Aber auch darin liegt wohl einer der großen Unterschiede zu herkömmlichen Longdrinks oder Partycocktails. Es geht eben um den Genuss nicht nur um die Volumenzahl.
Die Sorten Coffey Grain und From the Barrel passten ebenfalls hervorragend zum vierten und fünften Gang, dem rustikal anmutenden Apfel-Laugen-Krüstchen an Rote Beete und einer Dessert-Explosion von Kokosschnee, Schokolade, Beeren und Mango. Dennoch konnte ich mit dieser Umdrehungszahl nicht mehr mithalten. Sarah und ich nippten gerne nochmal an den sanfteren Sorten von Gang zwei und drei.


 
Whiskey beim Mädelsabend?

Trotzdem war ich am Ende das Abends noch nicht einmal betrunken und das will bei mir kleiner Person, die eher gelegentlich Alkohol trinkt, schon etwas heißen. Die Erfahrung, die ich bei dieser Whiskey-Verköstigung und auch den Geschmacksexplosionen gemacht habe, hat mich vor allem eines gelehrt: manches schmeckt erst auf den zweiten Blick. Denn während ich früher jeden Whiskey in die Schublade der hochprozentigen Alkohole gesteckt hätte, die mir eh nicht schmeckten, kann ich das nach diesem Abend nur widerlegen. Einen Longdrink wie den Mizuwari könnte ich mir sogar sehr toll bei einem Mädelsabend vorstellen und würde wohl einige meiner Freundinnen genauso erstaunen.

Sarah’s Bericht zum Foodpairing-Event mit Nikka im Tafelspitz findet ihr übrigens hier.
 
Fotografie/ photography: Sarah Pritzel
Danke an lauffeuer Kommunikation für die Einladung.
 

Welche Überzeugungen konntet ihr auf den zweiten Blick widerlegen? Habt ihr Whiskey schon mal als Longdrink genossen?