Während ich in Berlin zur Schule ging und aufwuchs, habe ich nie ernsthaft darüber nachgedacht, wo ich nach dem Abitur landen würde. Ich war mir eigentlich immer sicher, dass ich in der Hauptstadt studieren oder aber wenigstens in eine Stadt in der näheren Umgebung ziehen würde, sodass ich Familie und Freunde ganz nah bei mir habe und wir unsere Beziehungen zueinander weiterführen konnten wie zuvor – nur mit eigenen Jobs und Wohnungen. Das Leben macht es einem aber nicht so einfach. Für Studienplätze und Jobs oder manchmal auch einfach der Liebe wegen, zieht es einen in eine andere Stadt, vielleicht auch ein anderes Land. Das hatte ich selbst bei meinen eigenen Eltern gesehen, die sich im Leben nicht dachten einmal ihr eigenes Haus am Berliner Stadtrand zu bauen … Während meine Freundschaften also in Berlin, München und Düsseldorf verwurzelt sind, führe ich inzwischen Fern-Freundschaften und das bereits über mehrere Jahre. Das ist zwar traurige Realität, aber zumindest finde ich diese Freundschaften deutlich einfacher als Fernbeziehungen. Immerhin wurde ich auch Trauzeugin meiner besten Freundin, obwohl wir uns nicht jede Woche sehen können …

IMG_20150603_162602_editDu zu mir, ich zu dir
Sich abwechselnd zu besuchen ist der fairste Weg um sich regelmäßig zu sehen. Je weiter die Entfernung, desto größer ist wahrscheinlich der Abstand zwischen den Treffen. In jedem Fall hilft eine gewisse Routine, ein Regelhaftigkeit in der Folge der Besuche. Innerhalb Deutschlands sind Entfernungen überschaubar, daher empfiehlt sich ein Abstand von maximal drei Monaten. Bei Distanzen über die Landesgrenze hinaus, sollte es machbar sein, dass jeder es wenigestens einmal im Jahr schafft, die Strecke aufzunehmen, zum Beispiel zum Geburtstag. So sieht man sicher immerhin zweimal im Jahr.
IMG_20150602_180450CARE-Pakete
Meine erste Fern-Freundschaft – ich war zehn, als meine Eltern in die große Stadt zogen – überbrückte ich mit Briefen. Es waren sicher zwei die Woche, oft richtig lange, mit kleinen Extras wie selbstgeknüpften Armbändern oder Fotos im Umschlag. Heute mache ich es quasi noch genauso, aber doch mit deutlich mehr Raffinesse. Ein paar von den Keksen, die ich neulich zum ersten mal ausprobiert habe … ihren Lieblingstee … eine von diesen Postkarten, die man in Lokalen und Clubs bei der Toilette bekommt mit einem witzigen Spruch … einen Nagellack, dem sie seit Tagen hinterherjagt, aber in ihrer Stadt nicht mehr bekommt. Es gibt so viele liebevolle Kleinigkeiten, die das Herz der besten Freundin höher schlagen lassen, ja manchmal sogar Freudentränen in die Augen treiben, weil man sich so über diese Geste freuen kann!IMG_20150602_180553_editNur mal ihre Stimme hören
Wenn der Zeitplan es mal wieder nicht zulässt oder die Zeitverschiebung in die Quere kommt, kann es manchmal recht schwer sein sich am Telefon zu erwischen. Die Lösung liegt in der Technik unserer Zeit: Voice Messages! Whatsapp hat wohl inzwischen jeder (selbst ich, die sich bis letzten Oktober noch wehement dagegen wehrte) und es ist so einfach, den kleinen Mikrofon-Button zu drücken und einen lieben Gruß zu versenden oder einfach mal kurz was neues zu erzählen. Das tolle ist, dass die Beste auf der anderen Seite jederzeit auf Play drücken kann.
IMG_20150602_181333_editVirtueller Mädelsabend
Wieder greift das technische Know-How unserer Generation uns unter die Arme: Skype! Hat man sich früher jeden Freitagabend auf ein Glas Wein beim Italiener ums Eck getroffen, findet man bei einer Fern-Freundschaft einfach eine neue passende Mädelszeit und verabredet sich zum videotelefonieren. Das kann so simpel sein, sich beim Abendessen montagabends virtuell Gesellschaft zu leisten oder einen Disneyfilm bei einem Glas Rotwein „zusammen“ zu sehen. Das fühlt sich fast genauso an, wie einer dieser Abende früher …IMG_20150602_181255_editFotografisches Uptdate
Ich bin ein absoluter Fan von Foto Updates! Egal ob ich gerade Einkaufen bin und etwas lustiges sehe oder mir mal wieder nicht über mein Outfit für das Date am Freitagabend klar bin. Selbst, wenn ich neue Bettwäsche gekauft habe oder vom frisch Friseur komme! Fotos zu versenden ist eine tolle Art um der Freundin am anderen Ende das Gefühl zu geben am eigenen Alltag ganz nah dran zu sein. Snapchat funtkioniert da genauso gut.IMG_20150602_181224_editJe öfter, desto besser

Ich finde es außerdem einfacher den Kontakt zu halten, je öfter man sich gegenseitig auf dem Laufenden hält. Jeden Tag oder jeden zweiten Neuigkeiten via Whatsapp, SMS oder auch Instagram miteinander zu teilen, fällt oft deutlich leichter, als alle paar Wochen lange Telefonate zu führen, um die andere auf den Stand der Dinge zu bringen. Man fühlt sich viel näher dran am Geschehen, viel näher bei einander, als würde man immer noch dieselbe Stadt miteinander teilen.

Führt ihr Fern-Freundschaften? Wie haltet ihr den Kontakt zu weit entfernten FreundInnen am besten?