IMG_20150214_171450Erst kürzlich hatte ich einen Disput mit einer wirklich guten Freundin. Das heißt, bevor es dazu gekommen ist, herrschte erst mal zwei Wochen Funkstille, weil weder die eine noch die andere von uns das Thema auf den Tisch brachte. Ich meinerseits war leicht verstimmt, weil sie sich nicht mehr meldete und sah überhaupt nicht ein, warum ich diejenige welche sein sollte. Sie hingegen hatte wirklich etwas auf dem Herzen, was sie beschäftigte. Wenn es um Probleme derart geht, fühle ich mich immer total unter Druck gesetzt. Sie rauben mir den Schlaf, weil die Gedanken darum in meinem Hirn Achterbahn fahren. Ich bin schon immer dafür gewesen, das Unausgesprochene schnellst möglich an die Luft zu bringen. Es mag Menschen geben, die Konfrontationen lieber aus dem Weg gehen, in der Hoffnung, dass sich die Probleme irgendwann von allein bereinigen. Ich denke aber, dass sie auf irgendeine Art und Weise zwischen den Beteiligten bestehen bleiben und so nachhaltig das Beziehungsverhältnis beeinträchtigen.

Wie also geht man am besten mit solchen Konflikten um?

IMG_20150214_171404Zunächst sollte wenigstens einer den ersten Schritt unternehmen und ein Gespräch initiieren. Erwachsen zu sein und sich ein Herz zu fassen heißt nicht, dass man das Problem bei der nächstbesten Gelegenheit ins Gesicht geschleudert bekommen möchte! Viel mehr geht es darum, das Thema subtil anzusprechen. Ein Treffen dafür zu vereinbaren scheint die beste Möglichkeit um beiden Parteien einen Raum frei von emotionalem Balast zu geben.

Womit wir zum nächsten Punkt kommen: das persönliche Gespräch. Aus Erfahrung weiß ich, dass Konflikte sich schlecht per WhatsApp klären lassen – wie schnell werden Textnachrichten anders interpretiert als sie tatsächlich gemeint sind, weil so viele Aspekte der non-verbalen Kommunikation fehlen. Selbst ein Telefonat verschluckt Mimik und Gestik. Der beste Weg ein ernstes Thema anzugehen ist von Angesicht zu Angesicht.

Steht der Termin erst einmal, ist es wichtig ruhig zu bleiben. Natürlich bringen Auseinandersetzungen auch immer eine Reihe von Emotionen mit sich – Ärger, Enttäuschung, manchmal Verzweiflung. Keiner will aber von einer aufgebrachten Furie beschimpft werden! Sich im Vorfeld genau zu überlegen welche Punkte man vertreten will, hilft diese Emotionen außen vor zu lassen und schafft Platz für eine angenehme Atmosphäre, bei der offen und ehrlich miteinander gesprochen werden kann. Anschuldigungen, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben, gehören ebenso wenig in diesen emotionsfreien Raum.

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Eine der größten Hürden in einem solchen Gespräch scheint manchmal die Einsicht etwas falsch gemacht zu haben. Oft fällt es leichter Fehler zuzugeben, wenn auch der Gesprächspartner Einsicht zeigt. Nur, weil man etwas falsch gemacht hat, heißt das noch lange nicht, dass man Verantwortung für den ganzen Konflikt trägt – dazu gehören immer zwei Seiten – und es macht einen noch lange nicht zu einem schlechten Menschen. Ganz im Gegenteil: es zeigt, dass man sich der Gesamtsituation bewusst ist und Verständnis aufbringt.

Es nutzt dabei allerdings nichts nur zu sagen, was der andere vermutlich hören möchte. Bei Konflikten habe ich gemerkt, dass manchmal meine eigenen Krisenpunkte in den Hintergrund treten, weil ich so sehr bemüht bin mich zu entschuldigen, schnell wieder Friede, Freude, Eierkuchen zu schließen. Um nicht unzufrieden aus der Sache herauszugehen, ist es also wichtig auch die eigenen Bedürfnisse anzusprechen. 

Am Ende der Konversation sollte zudem immer klar sein, wie es weiter geht – bedarf das Thema einer Pause, anschließend eines neuen Gespräches oder verabredet ihr euch für Mittwochnachmittag zum Kaffee? Nicht zu wissen, was als nächstes passiert, ist für keine Beziehung förderlich. Ließ sich der Konflikt bereinigen und alles ist am Ende gut, ist es schön ein leichteres Thema anzuschlagen, ein wenig zusammen zu lachen, sich vielleicht zu umarmen.
Wir haben nach zwei Wochen Sendpause wieder regelmäßig Kontakt und auch der Kaffee mittwochnachmittags schmeckt genauso gut wie vor unserem Unfrieden, vielleicht sogar noch ein bisschen besser.

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